Magnetroboter säubert Schiffsrümpfe auf hoher See

Ein Meter lang und sechzig Zentimeter breit: So klein ist der Roboter, der auf einem Containerschiff arbeitet. Er wird auf die Rumpfoberfläche gesetzt und marschiert dann Route um Route ab, während Strömung und Wellen an ihm zerren. Entwickelt hat ihn ein Student der Meereswissenschaften und des Maschinenbaus der Northeastern University, im Praktikum bei dem Robotikunternehmen Fleet Robotics.
Das Problem heißt Biofouling, ein Bewuchs aus Mikroorganismen und Ablagerungen, der sich an Schiffsrümpfen festsetzt. Die Schicht erhöht den Strömungswiderstand, sodass die Schiffe mehr Treibstoff verbrauchen. Zudem können darin invasive Arten stecken, die in fremde Ökosysteme gelangen und einheimische Pflanzen und Meerestiere verdrängen. Laut heise verzeichnet allein die Schiffsindustrie der USA Mehrkosten von 36 Milliarden US-Dollar, durch Treibstoff und die immer wieder nötige Erneuerung der Antifouling-Anstriche. Besonders heikel ist die Lage in der Straße von Hormus: Wegen der Durchfahrbeschränkungen im Konflikt zwischen Iran und den USA/Israel liegen Schiffe länger fest, Mikroorganismen siedeln sich an den Rümpfen an, und Wissenschaftler sehen darin eine massive Gefahr für Ökosysteme weltweit, sobald die Schiffe weiterfahren.
Entfernen lässt sich der Bewuchs nicht einfach. Die Masse ist klebrig, und je nach Größe des Schiffes fallen mehrere Tonnen an. Sie muss dort abgelöst werden, wo sie entstanden ist, und zwar im bewegten Wasser, wo sich das abgelöste Material leichter im Meer verteilt. Die Bürsten des Roboters sind so ausgelegt, dass die Oberfläche nicht beschädigt wird, denn sonst drohen Korrosion und die Freisetzung giftiger Chemikalien. Der Roboter arbeitet unterhalb der Wasserlinie, ist wasserdicht gebaut und hält hohem Wasserdruck stand. Die Reinigung findet ausschließlich auf hoher See statt, nicht in Häfen. Mehrere Roboter stimmen sich untereinander ab und laden ihre Batterien selbstständig an Dockingstationen, sobald sie zur Neige gehen. Die Navigation läuft komplett auf dem Roboter selbst, per WLAN oder Kabel, da es keine zentrale Steuerung gibt.
Für wen zählt das? Zuerst für die Betreiber von Schiffen, deren Rümpfe ständig Bewuchs sammeln, und mittelbar für die Küsten, in die Arten sonst eingeschleppt werden. Wie viel Treibstoff der Roboter tatsächlich spart, ist nicht beziffert. Wann daraus ein Einsatz im Flottenbetrieb wird, bleibt offen: Die Meldung nennt weder Termin noch Preis, und bisher steht ein Test an einem einzigen Schiff.
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