Schaeffler lässt Roboter Gelenke für Roboter bauen

Sechs Roboter an fünf Stationen, eine Montagelinie und ein digitaler Zwilling, der jeden Ablauf vorab durchspielt: So sieht die neue Lighthouse Factory aus, die der deutsche Zulieferer Schaeffler im chinesischen Taicang eröffnet hat. Dort bauen humanoide Roboter die Gelenke für humanoide Roboter. Auf rund 7500 Quadratmetern holen die Maschinen Bauteile, sortieren sie und setzen daraus lineare und rotative Aktuatoren zusammen, also die Antriebseinheiten, die ein Gelenk bewegen. Danach werden sie geprüft, gekennzeichnet und verpackt.
Die Steuerung läuft über einen digitalen Zwilling, eine virtuelle Abbildung der Anlage. Sensoren erfassen den Produktionsablauf und zeigen, in welchem Zustand Anlage und Fertigung sind. Damit lassen sich Produktionsprozesse testen und optimieren, bevor sie auf die echte Linie kommen. Nach Schaefflers Mitteilung verkürzen sich dadurch die Entwicklungszeiten.
Im Trainings- und Datenerfassungszentrum werden die Roboter auf ihren Einsatz in der Industrie vorbereitet. Sie lernen unter Bedingungen, wie sie in den rund 100 Produktionsstätten der Schaeffler Group vorkommen. Neu erlernte Fähigkeiten lassen sich sofort an der Montagelinie erproben. Damit wird aus dem Labor ein Betrieb, in dem Roboter lernen und gleich mitarbeiten.
Der Schritt folgt einem Plan. Im Januar 2026 kündigte Schaeffler an, in den kommenden fünf Jahren mehrere Hundert humanoide Roboter in seinen Werken einzusetzen. Im Mai 2026 kam eine Vereinbarung mit dem Roboterhersteller Humanoid hinzu, die bis 2032 eine vierstellige Zahl an Robotern vorsieht. Schaeffler erwartet davon einen höheren Automatisierungsgrad und effizientere Abläufe.
Wer davon profitiert, ist zunächst der Konzern selbst: Er kann seine Werke schneller mit Robotern bestücken und die eigenen Aktuatoren in großer Zahl herstellen. Für Kunden und andere Roboterbauer bedeutet das, dass Gelenkbausteine künftig aus einer Serienfertigung kommen könnten; ob und in welchem Umfang das geschieht, ist aus den Angaben nicht ablesbar. Die Zahlen stammen von Schaeffler selbst, unabhängige Messungen oder Praxisberichte aus der Halle gibt es noch nicht. Ob die Vorgaben bis 2032 erreicht werden, zeigt sich erst an den Stückzahlen der nächsten Jahre.
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